Samstag, 26. Januar 2013

Wertungssysteme - Welches ist das Beste?

von Tony Menzel

Wieder komme ich mit einer Bitte bzw einem Aufruf zu euch. Ich brauche eine gute Beratung. Schon seit ich meine ersten Versuche unternommen habe, ein Spiel zu testen, geistert eine wichtige Frage durch meinen Kopf: welches Wertungssystem soll ich verwenden? Zugegeben, diese Frage wirkt auf den ersten Blick recht banal. Wen interessiert es eigentlich? Lasst mich erklären, warum hinter diesem Problem doch viel mehr steckt, als man denken mag.

Das Problem mit Zahlenwertungen

Es ist kein Geheimnis, dass ich eine gewisse Abneigung gegen Zahlen-Wertungen hege. Die meisten Webseiten haben Wertungskästen, welche die Spiele in ihre kleinsten elementaren Teilchen runter brechen. Das Spiel geht super von der Hand, hat ein perfektes Gameplay, ist grafisch aber nicht mit Crysis vergleichbar? Schon fehlen einige Punkte in der Endwertung. Seit der Indie Markt mit vielen Retro-Spielen immer mehr an Zuwachs gewinnt, bricht das ganze Prinzip dieser Wertungskästen zusammen. Wie bewertet man ein Spiel, das kaum Grafik hat oder eines, das komplett auf eine Story verzichtet?
Eine brauchbare Wertung muss möglichst flexibel sein und kein zu strenges Muster haben. 

Zahlen-Wertungen haben zudem den Nachteil, das sie oft für sich alleine stehen. Mindestens 50% aller Leser scrollen einfach bis nach unten zur Wertung oder sehen sie zusammenhanglos in irgendeiner Metakritik. Dass der niedrige Score am Ende nur durch eine schlechte Grafik zustande kam, interessiert dann keinen mehr. Gerade im letzten Jahr sind viele großartige und einzigartige Spiele solchen Wertungssystemen zum Opfer gefallen und wurden von der Masse einfach ignoriert. Zwar hat ein Großteil der Spieler da draußen mit solchen Reviews überhaupt nichts am Hut und doch haben Testberichte einen wesentlichen Anteil an den Verkaufszahlen eines Produkts und wenn nur dadurch, dass sich ein schlechter Ruf breit macht.
Dass unser Einfluss nicht so weit reicht, wie der z.B. eines IGN ist natürlich klar, aber das sollte nicht das ausschlaggebende Argument für die Wahl des Wertungssystemes sein. Selbst wenn ich nur einen Leser mit meiner Meinung erreiche, habe ich schon gewonnen.

Wertungsinflation - Ist die Schule schuld?

Das größte Problem an Zahlen-Wertungen ist allerdings die Wertungsinflation der letzten 15 Jahre. Ein Spiel hat "nur" 70 Prozent? Ich probier's mal, wenn es nur noch 'nen 10er kostet. Genau das ist die Mentalität, die vielerorts vorherrscht und auch schon zu der einen oder anderen Diskussion bei uns im Podcast geführt hat.
Lasst es mich nochmal deutlich machen: ein Spiel über 60 Prozent ist keinesfalls schlecht! Selbst 50 Prozent bedeuten noch, dass das Spiel auf jeden Fall etwas richtig macht, sonst wären es ja 30 oder 40 Prozent. Ein Spiel im 70er Bereich als schlecht zu bezeichnen ist einfach nur ... naja lassen wir das.
Eine interessante Theorie ist, dass diese Mentalität von den Schulnoten herrührt. Es gab Zeiten, da war eine 3 auf dem Zeugnis absolut akzeptabel und wesentlich besser als eine 4 oder 5. Es heißt, dass man in der guten Mitte liegt. In der Praxis sieht es ganz anders aus. Eine 3 wirkt schlecht und faul. Es hätte schließlich eine 2 oder sogar 1 werden können.
Warum hat ein Spiel nur eine 70er Wertung, wenn es doch 80 oder 90 hätte haben können? 
Ich für meinen Teil möchte jedenfalls nicht Teil dieser Inflation sein. Wenn ich darüber nachdenken müsste, wie viele Spiele bei mir eine Wertung über 90 verdient hätten, würden mir vielleicht 5 einfallen. So perfekt ist kein Spiel, dass es den 100% nahe kommt. Ich denke ihr wisst, was ich sagen will.

Warum dann überhaupt Zahlenwertungen?

Nun hatte ich mir für die letzten Reviews mein eigenes Wertungssystem (z.B. HIER) überlegt, bestehend aus einem Fazit-Text, einem abschließenden Wort, das alles zusammenfassen soll. Darunter steht dann noch kleingedruckt eine kleine Empfehlung oder der wichtigste Aspekt dieser Wertung. Leider bekam ich schon bei einem Spiel wie The Walking Dead die ersten Probleme und musste das Wertungssystem ein wenig anpassen. 
Wenn ich kein Freund von Zahlenwertungen bin, warum verschwende ich dann überhaupt einen Gedanken daran? Um euch meine Überlegungen näher zu bringen, muss ich einen kleinen Blick hinter die Kulissen zulassen. Der Grund dafür ist, dass wir im Falle vieler Reviews auch mit den Publishern der Spiele in Kontakt stehen. Insofern, dass diese eine bestimmte Erwartung an einen fertigen Testbericht haben. Das wird zwar nicht explizit verlangt, aber, da Zahlenwertungen nun einmal die Norm darstellen, sind sie nach außen hin wesentlich repräsentativer. Auch ist es leichter, eine Zahlenwertungen z.B. auf eine Amazon Wertung zu übertragen oder aus einer 70 Prozent Wertung mal eben eine 7/10 zu machen.
Was macht man denn aus einer "Für Genre Fans" Wertung? Es ist unmöglich, so eine Aussage auf irgendein geläufiges System zu übertragen.

Nichtsdestotrotz sollte es zuallererst immer darum gehen, eine Empfehlung an bestimmte Teilgruppen zu geben. Teste ich ein Japano-RPG wie Ni no kuni, richtet sich mein Abschlussfazit natürlich in erster Linie nicht an Online Shooter Fans oder Rentner, die nur Solitaire auf ihrem Computer spielen (nichts für ungut). 
Die Frage sollte sein, ob ein Fan üblicher Japano-RPGs von diesem Spiel enttäuscht oder begeistert wäre und ob er sein teuer erspartes Geld dafür hinblättern sollte. Eine Möglichkeit dies darzustellen besteht aber in jeder Art von Wertungssystem, egal ob es am Ende Zahlen, Buchstaben oder Bildchen sind.
Nun kommt ihr also ins Spiel.

Bevor ich meine nächste Review auf dieser Seite veröffentlichte, wüsste ich gerne, was ihr als Leser am liebsten sehen würdet. Letztendlich geht es schließlich nicht darum, was mir besser passt, sondern die, die ich damit erreichen will.
Zur Beantwortung dieser Frage steht oben rechts auf der Seite eine neue Umfrage bereit. Solltet ihr eure eigenen Meinungen zu dem Thema haben oder vielleicht sogar neue Vorschläge, beglückt uns doch mit einem Kommentar.

Vielen Dank.


Kommentare:

  1. Zelda-Herzchen! LOS!
    Und schreiben das nächste mal doch noch mehr, du Sack!

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    1. Du und deine Zelda-Herzchen ^^ Okay ich ziehe sie mit in Erwägung.
      Und du sagst immer, dass ich zu viel schreibe.

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  2. 1. Dein altes Wertungssystem ist gar nicht so schlecht.
    2. Für ein leichtes Verständnis wähle doch erstmal eine Übergangslösung mit Prozent/zahlen und dem "neuen" System.
    3. Das einzige zahlen System da ich für sinnvoll erachte (und sogar nahezu perfekt als Wertung) ist das von @monoxyd im angespielt podcast verwendete "wie viel würdest du für das Spiel ausgeben" Prinzip.

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    1. Danke für den Tipp :)
      Der Ansatz mit der Übergangslösung ist nicht schlecht, ich denke meine letztendliche Entscheidung wird wohl auch ein Kompromiss aus mehreren Elementen sein.

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    2. Ach ja, das mit dem "Wie viel würdest du ausgeben" Prinzip ist nicht schlecht, darüber muss ich mal nachdenken. Natürlich birgt auch das Risiken. z.B. würde ich jederzeit den vollen Preis für ein Metal Gear Solid bezahlen, aber nicht so viel Geld für einen Ego-Shooter oder ein Sportspiel. Das sagt allerdings nur was über meinen Geschmack aus und nichts über die Qualität des Spieles.
      Vielleicht höre ich demnächst mal in den Podcast von Monoxyd rein.

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